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Mensch-Tier-Kontakt


Kuh gemaltVielen Nutztieren fehlt heute die Zuwendung durch den Menschen. Man kann sich fragen, ob und wie sie diese brauchen. Ich denke, dass wir das Tier durch unsere seelische Zuwendung etwas erleben lassen, was es nicht erleben kann, wenn es nur unter Tieren ist. Es erlebt uns als individuelle, frei (nicht „nur“ instinkthaft) handelnde Wesen. Das tut es nicht bewusst, und es kann uns auch nicht wirklich verstehen. Aber es nimmt unsere seelische Haltung wahr; es nimmt wahr, ob unsere Zuwendung liebevoll ist: dann schenkt es uns gerne sein absolutes Vertrauen. Dadurch wird auch das einzelne Tier ein bisschen individueller; wir nehmen es mehr als Individuum wahr, lernen seinen Charakter kennen und verhalten uns nicht jedem Tier gegenüber gleich. Ich glaube, dass das Tier das geniesst: Was so entsteht, hängt nicht mit den Vererbungskräften und nicht mit dem Arttypischen zusammen, es ist vermutlich auch nicht lebensnotwendig für das Tier. Es sind freie Bedingungen der Artentfaltung. Es bleibt aber fraglich, was unsere Zuwendung dem einzelnen Tier gegenüber für die Art oder die Gruppenseele der Tiere bedeutet. Womöglich schaffen wir durch das Zusammenleben mit den Tieren und durch den Seelenraum, den wir gemeinsam mit ihnen und ihren Gruppenseelen bewohnen, die Möglichkeit für die Art, etwas Neues auszubilden, die „Beschränkungen“ ein wenig zu lockern. (Dieses Neue liegt beim Rind vermutlich im Verzicht auf Rangauseinandersetzungen, die man ja oft als etwas die Perfektion der Verdauungstätigkeit Störendes und doch Arttypisches beobachten kann.) Dieses mehr individuell-werden des einzelnen Tieres und die Offenheit der Art für Neues kann nur durch sehr liebevollen, wesensgemässen Umgang mit dem Tier geschehen. Denn sonst zieht sich das Tier sofort zurück auf das Arttypische, wo es sich allein sicher fühlt, und die Art bleibt bei ihren arttypischen Beschränkungen.

 


Quelle:
SPENGLER NEFF, A. (2002): Biologisch-dynamische Ansätze in der Rinderzucht. Vorlesung, gehalten am 21.01.2002 an der Universität Kassel-Witzenhausen. Archiviert bei Organic Eprints



Umfrage zur Haltung behornter Kühe im Laufstall
In Betrieben mit 62 behornten Milchkuhbeständen wurden Interviews durchgeführt, um konkrete Hinweise auf Probleme und geeignete Maßnahmen in Zusammenhang mit der Haltung behornter Kühe zu sammeln. Die meisten Landwirte nannten als Problemgebiete den Fütterungsbereich, die Liegefläche und den Wartebereich vor dem Melken. Die Möglichkeit, alle Kühe sicher im Freßgitter zu fixieren und ein einfacher Rückzug aus dem Freßgitter wurde als wichtig angesehen. Die Liegeflächen sollten einen Ausgang nach vorne ermöglichen, der von den Kühen genutzt werden kann, wenn sie von hinten angegriffen werden. Ein großzügiges Raumangebot im Wartebereich und ebenso im gesamten Stall wurden empfohlen. In Bezug auf Management-Maßnahmen, die die Bedingungen in einem bestehenden Stall verbessern helfen, beschrieben die Landwirte vor allem einige Methoden, um neue Kühe in den Bestand zu integrieren.


Quelle:
SCHNEIDER, C.; IVEMEYER; S.; KLOCKE, P.; KNIERIM, U. (2009): Erfahrungen bei der Haltung horntragender Milchkühe im Laufstall – Probleme und Lösungsansätze in der Praxis. Beiträge zur 10. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, 11.-13. Feb. 2009, Zürich; Band 2, 22-23. Archiviert bei Organic Eprints



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Positiver Umgang beruhigt Mastrinder und vermindert Stressreaktionen
Extensive Formen der Tierhaltung (z.B. Mutterkuhhaltung) erfordern einen geringeren Arbeitseinsatz, was für die Menschen im Betrieb an sich positiv ist. Damit verbunden ist jedoch häufig, dass der Kontakt zwischen Mensch und Tier seltener wird. Dies kann vor allem in Situationen außerhalb des normalen Tagesablaufs zu Stressreaktionen bei den Tieren führen, wenn eine ungewohnte Nähe zum Menschen auftritt, z.B. beim Umtreiben oder Verladen der Tiere oder im Schlachthof. Die Verminderung von stressvollen Situationen ist für das Wohl der Tiere und für die Sicherheit der Menschen wichtig und kann zudem die Fleischqualität der Tiere verbessern.

Methoden zur Verbesserung der Mensch-Tier-Beziehung sind vielfach beschrieben worden. Eine Methode speziell für die Situation vor der Schlachtung wurde mit 8 männlichen Mastrindern getestet. Die Tiere waren alle ca. 1 Jahr alt und wurden zufällig in je 4 behandelte und unbehandelte Tiere eingeteilt. Die Behandlung basierte teils auf Tellington TTouches, teils auf eigenen Erfahrungen der WissenschaftlerInnen im Umgang mit Rindern. Die Tellington TTouch Every Animal Method (TTEAM) und der Tellington-TTouch wurde von der bekannten Tierverhaltensexpertin Dr. h.c. Linda Tellington-Jones Mitte der 60er Jahre ursprünglich für Pferde entwickelt. Als Tellington-TTouch bezeichnet man über 30 spezielle Berührungen des Tierkörpers, die kreisende, streichende und hebende Bewegungen auf der Haut der Tiere umfassen. Die Behandlung begann 5 Wochen vor dem Schlachttermin und wurde vom Futtertisch aus an Kopf und Hals sowie zwischen Kopf und Schultergelenk der Bullen in definierter Art und Weise ausgeführt.

Bei den behandelten Tieren war die Ausweichdistanz nach 5 Wochen geringer geworden, in der Kontrollgruppe jedoch nicht. Behandelte Tiere zeigten beim Betreten der Betäubungsbox weniger Stress anzeigendes Verhalten. Beim Verladen gab es keine Verhaltensunterschiede.

Blutproben wurden den Tieren vor Behandlungsbeginn, 1 Tag vor dem Schlachten und während des Ausblutens entnommen. Die Gehalte an Cortisol, Laktat und Glucose waren bei allen Tieren im Schlachtblut gegenüber den Messungen zuvor deutlich erhöht. Bei den Kontrolltieren waren die Laktat- und Glucose-Konzentrationen im Schlachtblut höher als bei den behandelten Tieren. Bei Qualitätstests zeigte das Fleisch der Kontrollgruppe höhere Garverluste als das der behandelten Tiere. Bei anderen Fleischparametern gab es keinen Behandlungseffekt.

In weiteren Untersuchungen ist die Wirksamkeit der Methode zu überprüfen und ihre Einführung in die Praxis zu erproben. Im übrigen ist es sinnvoll, den Mensch-Tier-Kontakt einer Mutterkuhherde nicht erst kurz vor der Schlachtung zu verbessern, sondern schon früher im Leben der Tiere aufzubauen, damit Stress für die Tiere und die betreuenden Personen vermindert wird. Dies soll in einem neuen Projekt mit 2 Mutterkuhherden geschehen mit besonderer Berücksichtigung der ersten Lebenstage der Tiere.


Quellen:

PROBST, J.; SPENGLER NEFF, A.; LEIBER, F.; HILLMANN, E. (2009): Zuwendende Behandlung beruhigt Mastrinder. Lebendige Erde, Heft 4/2009, 44-47 Volltext

SPENGLER NEFF, A.; PROBST, J.; HILLMANN, E.; LEIBER, F. (2009): Einfluss eines positiven Handlings von Mastbullen auf die Stressaktivität der Tiere und auf die Fleischqualität. Beiträge 10. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, 11.-13. Feb. 2009, Zürich, Band 2; 28-29 Volltext

 

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