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Chronobiologische Untersuchungen mit besonderer Berücksichtigung lunarer Rhythmen im biologisch-dynamischen Pflanzenbau


Zusammenfassung

Zeichnung von Ingeborg Obermeier


Quelle:

Spieß, H. (1994a): Chronobiologische Untersuchungen mit besonderer Berücksichtigung lunarer Rhythmen im biologisch-dynamischen Pflanzenbau. Schriftenreihe des Instituts für Biologisch-Dynamische Forschung, Band 3
Spieß, H. (1994b) Anhang zu: Chronobiologische Untersuchungen mit besonderer Berücksichtigung lunarer Rhythmen im biologisch-dynamischen Pflanzenbau - Beschreibung der Einzelergebnisse. Schriftenreihe des Instituts für Biologisch-Dynamische Forschung, Band 4






In der vorliegenden Arbeit wird mittels mehrjähriger Saatzeitversuche der Einfluss kosmisch-terrestrischer, insbesondere lunarer Rhythmen auf das Kulturpflanzenwachstum unter langjähriger biologisch-dynamischer Bewirtschaftung geprüft.
  
   
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Lage des Tierkreisgürtels (Zodiak), vor welchem sich Sonne, Mond und Planeten bewegen (Spieß 1994)

Untersucht wurden Roggen, Radieschen, Möhren, Kartoffeln, Buschbohnen und Gelbsenf. Die Versuchsanlage beinhaltete Feld-, Garten- und Gefäßversuche.

Untersuchungen und Analysen bezogen sich auf zeitabhängige Daten zum Witterungsverlauf und Bodenzustand, auf die Pflanzenentwicklung sowie die Ertrags- und Qualitätsbildung. Die detaillierten Daten von Witterungs- und Bodenbedingungen sowie die Resultate der Einzelversuche erscheinen in einem gesonderten Anhang (Spiess 1994b) .

In allen Saatzeitversuchen trat ein jahresrhythmischer Trend der Ertrags- und Qualitätsbildung der Kulturen ein. Dieser ließ sich auf solche primären Wachstumsfaktoren wie Wärme, Feuchte, Licht, Tageslänge oder Wachstumszeit zurückführen. Der Trend wurde mittels Polynomregressionen erstellt.

Um einen Jahresvergleich zu ermöglichen, wurden die Ergebnisse trendbereinigt.

Folgende lunare Wirkungen nach Pflanzenarten wurden beobachtet:

1. Bei Roggen traten lunare Rhythmen am stärksten beim Feldaufgang in Erscheinung. Bei zwei Anbaustufen bestand ein deutlicher Bezug beim Standardanbau zum synodischen Mondrhythmus (Mondphasen, Voll,- Neumond), beim Mondkonstellations-Wiederanbau über fünf Generationen zum anomalistischen Mondrhythmus (Erdnähe, Erdferne).

Die Erträge zeigten im 5-jährigen Mittel eine Beziehung zur synodischen und anomalistischen Mondrhythmik bei nur teilweise signifikanten Unterschieden.

Die Saatgutvitalität war bei um Vollmond gesäten Saatzeitherkünften am besten, bei Neumond am schlechtesten.

2. Bei Radieschen ergaben sich im dreijährigen Mittel signifikante Unterschiede der Ertragsbildung abhängig von der tropischen Mondrhythmik (auf- und absteigender Mond) und den anomalistischen Mondstellungen Erdnähe und Erdferne.

Radieschenhaltbarkeit und Saatgutvitalität variieren positiv mit der syzygisch- lunaren Rhythmik von Voll- und Neumond.

möhren_dm.jpg 3. Möhren reagieren immer mit signifikanten Ertragssteigerungen auf den synodisch-siderischen Mond-Sternbild-Stand „Jungfrau“ vor Vollmond. Gleichzeitig war die Haltbarkeit von Möhrenraspel im Zersetzungstest verbessert.

Die wertgebenden Inhaltsstoffe zeigten kaum einen Bezug zur lunaren Rhythmik, sondern zum Saattermin.

4. Bei Kartoffeln traten in einzelnen Jahren hoch signifikante Unterschiede in Abhängigkeit von der lunaren Rhythmik auf. Die mehrjährigen trendbereinigten Abweichungen waren jedoch statistisch nicht zu sichern.

Pflanzungen vor der Vollmondstellung ergaben Mindererträge, der Höchstertrag der Knollen fand sich bei Pflanzungen zur Erdnähe des Mondes.

5. Buschbohnen zeigten bei der Anzahl Hülsen der ersten Pflückung und bei den Krauterträgen statistisch gesicherte Unterschiede.

Die Anzahl Hülsen der 1. Pflückung variierte in der Rangfolge synodische Rhythmik > tropische Rhythmik > anomalistische Rhythmik. Das gilt auch dann, wenn die höchsten positiven Abweichungen im Hülsenertrag bei den Aussaaten zur Erdnähe des Mondes eintraten.

Kraut reagierte auf die tropische Mondrhythmik mit statistisch gesicherten Mindererträgen bei Aussaaten zum Mondtiefstand im Sternbild Schütze und Mehrerträgen zum Mondhöchststand im Sternbild Zwilling.

In Bezug auf die Hauptrhythmen des Mondes zeigten sich folgende Wirkungen:

a) Der Einfluss des anomalistischen Mondumlaufes (Erdnähe, -ferne) war bei allen Kulturpflanzen nachweisbar. Einheitlich positiv reagierten zur Erdnähe des Mondes gesäte Pflanzen.

b) Beziehungen des synodischen Mondumlaufes (Mondphasen) zum Pflanzenwachstum ergaben sich bei allen Kulturen bei z.T. erheblichen Unterschieden hinsichtlich der zu- oder abnehmenden Mondphase.

Exemplarisch hierfür waren die Versuche mit Möhren und Kartoffeln. Die Möhrenerträge erreichten ihr Ertragsmaximum bei den Aussaaten vor der Vollmondstellung, zu gleichen Pflanzzeiten wurden bei den Kartoffeln die geringsten Erträge geerntet.

c) Ein Einfluss des tropischen Mondumlaufes (auf-, absteigender Mond) auf das Pflanzenwachstum wurde bei einigen Kulturpflanzen nachgewiesen. Am stärksten reagierten Buschbohnen, gefolgt von Radieschen und Möhren.

d) Zum siderischen Mondumlauf mit seinen 12 Mond-Sternbild-Stellungen bestanden bei nahezu allen Kulturen evidente Unterschiede in Ertrag und Qualität. Diese waren aber in der Regel auf den Einfluss der o. g. anderen Mondrhythmen zurückzuführen.

Zum in der Literatur des ökologischen Landbaues häufig angeführten Einfluss der siderischen Trigonstellungen des Mondes auf das Pflanzenwachstum fand sich in den Untersuchungen kaum ein Hinweis.

  

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.

Matthias Claudius
e) In wenigen Fällen deutete sich ein Einfluss des draconischen Mondumlaufes (Mondknoten, Finsternis-Zyklus) an.

f) Bei der Betrachtung der Versuchsergebnisse nach Einzelrhythmen des Mondes darf die Interferenz der einzelnen Mondrhythmen beim Zustandekommen lunarer Wirkungen nicht unberücksichtigt bleiben.

g) Es wird die Hypothese aufgestellt, dass sich bei weiterem Wissenszuwachs im Forschungsgebiet einzelne Kulturpflanzenarten in lunare Reaktionstypen einordnen lassen.

h) Die Wirkungsweise lunarer Beziehungen zum Pflanzenwachstum wurde theoretisch erörtert.





Ergänzung durch biodynamic-research.net:

Die Untersuchungen von Spieß machen deutlich, dass die Erforschung kosmischer Konstellationen im Pflanzenbau die Anwendung spezifischer versuchstechnischer und statistischer Methoden erfordert. Dabei war es in einigen Fällen nicht möglich, die positive Wirkung von Mondrhythmen zu bestätigen, die in manchen Aussaatkalendern genannt werden. Zu diesem Punkt erklärte Spieß, “dass wir die Konstellationsarbeit mit  dem Ziel begannen, Maria Thuns Resultate zu wiederholen. Wir sind jedoch im Rahmen einer wissenschaftlichen Versuchsanstellung, die die Grundvoraussetzung für die Reproduzierbarkeit und Transparenz von Ergebnissen darstellt, zu anderen Ergebnissen gekommen” (Spieß, Lebendige Erde 1/2001, S. 51).

Die statistischen Methoden, die Spieß eingesetzt hat, sind von anderen Autoren kritisiert worden, welche mit ihrer Art der Verrechnung (im Gegensatz zu Spieß) doch positive Mond-Tierkreis-Effekte aus den gleichen Daten abgeleitet haben. Die verschiedenen Positionen sind veröffentlicht:

Kollerstrom, N.; Staudenmaier, G. (2001). Mond im Tierkreis: anders rechnen - andere Ergebnisse. Lebendige Erde, Heft 1 , 48-49

Spieß, H. (2001). Mond im Tierkreis: anders rechnen, andere Ergebnisse? Lebendige Erde, Heft 1 , 50-51
 

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