Deutsch English

Versuche zur Wirkung veraschter Pflanzensamen



Kein signifikanter Einfluss von „Pfeffer“ aus veraschten Samen auf die Keimung von Okra-Samen in Gewächshausversuchen


Keimling, Okra

Gekaufte Samen von Okra (Abelmoschus esculentus (L.) Moench) wurden in Blechschalen mit einer Gasflamme bei max. 505 °F (263 °C) verbrannt (bei Mondstellung im Sternbild Löwe, zunehmender Mond). Die Rückstände wurden zu einem groben Pulver zerstoßen. Für die Keimversuche wurden Samen der gleichen Art gekauft und auf gleichförmige, gesunde Körner selektiert. Zwanzig Keimschalen mit einheitlicher Erde wurden mit jeweils der gleichen Anzahl Okra-Samen besät. In 10 zufällig ausgesuchten Schalen wurde die jeweils gleiche Menge „Pfeffer“ eingemischt. Die anderen 10 Schalen blieben als Kontrolle unbehandelt. Alle Schalen wurden in zufälliger Folge am Süd-Fenster eines Gewächshauses aufgestellt. Die Keimung wurde nach 7, 14, 21, 28 und 35 Tagen bonitiert, wobei die Anzahl Keimlinge und ihr Aussehen (normal bzw. unnormal) notiert wurde. Als unnormal galten Keimlinge mit ca. 1-2 inch Hypocotyl (3-5 cm), und die Samenschale steckte oft noch auf den Keimblättern (siehe Abbildung rechts). Normal entwickelte Keimlinge waren normalerweise 5-8 inch groß und hatten wenigstens 2 breite, grüne Blätter.

Die Keimrate zeigte keinen Einfluss des Aschepräparates. Sie lag in der behandelten Variante schließlich bei 84,0%, in der Kontrollvariante bei 84,9%. Auch der Anteil abnormaler Keimlinge unterschied sich nicht.

Ein Jahr später haben die Autoren den Versuch mit der gleichen Vorgehensweise noch zweimal wiederholt. Sie verwendeten die gleichen Keimschalen mit der gleichen Erde wie im ersten Versuch. Lediglich die Samenasche wurde neu hergestellt (bei Mondstellung im Schützen, abnehmender Mond). Die Keimlinge des vorigen Versuches wurden gemulcht. Wie zuvor zeigte die mittlere Keimrate keine signifikanten behandlungsbedingten Unterschiede.

Die Autoren diskutieren verschiedene Aspekte zur Erklärung ihrer Ergebnisse:

  • Mondstellung während der Samenverbrennung: Manche Autoren empfehlen die Mondstellung in Opposition zu Sonne (also Vollmond) und Saturn, andere empfehlen abnehmenden oder Neumond ohne Bedeutung des Tierkreis. Experimentelle Daten zu diesem Punkt sind den Autoren jedoch nicht bekannt.
  • Die Dauer eines Versuches (35 Tage) war zu kurz, um eine Wirkung zu zeigen.
  • Okra hatte als Versuchspflanze praktische Nachteile. Weitere Versuche sind mit Rübsen (Brassica rapa) geplant. Sie sollen über mehrere Generationen durchgeführt werden, wobei die in einem Versuch entstandenen Samen als Saatgut für den nächsten Versuch dienen sollen.
  • Steiner hat nie geäußert, die Samenaschen wirkten sich auf die Keimung aus. Von einem Effekt auf die Keimfähigkeit der Pflanzen auszugehen, war die Hypothese der Autoren.

 


Quellen:
Eldridge, M.; Kirchoff, B.; Richter, S. (2005): An experimental test of the biodynamic plant peppers. Biodynamics, Autumn 2005, 30-33
 
Eldridge, M.; Kirchoff, B.; Richter, S. (2006): A further test of the biodynamic plant pepper. Biodynamics, Winter 2006, 37-40



PflanzenascheAnders als viele andere Angaben Steiners in seinen landwirtschaftlichen Vorträgen haben seine Empfehlungen zur Unkrautkontrolle durch Ausstreuen veraschter Samen (Pflanzenpfeffer oder Samenasche, siehe Abbildung rechts) bis heute kaum Eingang in die biologisch-dynamische Praxis gefunden. Auch in den Richtlinien zur Erzeugung von Demeter-Produkten ist diese Maßnahme nicht explizit enthalten. Dies dürfte darin begründet sein, dass aus Versuchen wenige, eindeutig positive Erfahrungen mit Pflanzenpfeffer bekannt sind.

Eine Literaturübersicht und eigene, teils langjährige Versuchsergebnisse präsentierte Spieß (1999) in einem Seminar auf dem Dottenfelderhof. Seine Schlussfolgerungen und Bewertungen des gegenwärtigen Wissensstandes auf diesem Gebiet werden hier wieder gegeben (in leicht gekürzter Form).
 

Zieht man nach annähernd 20jähriger Versuchsanstellung zur Unkrautregulierung mit der Veraschungsmethode ein Resümee, konnte in keinem Fall mit dem den wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Parzellenversuch der Nachweis erbracht werden, dass die Anwendung der Aschenpräparate nach der Empfehlung R. Steiners zu einer völligen Reduzierung der untersuchten Wildpflanzen führte. Nur vereinzelt traten Tendenzen, aber auch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungen auf. Andererseits haben sich die untersuchten Unkräuter resp. Wildpflanzen im Versuchszeitraum auf ein Maß reduziert, dass deren Bestände nicht mehr als problematisch anzusehen sind. Aus diesem Sachverhalt heraus lassen sich einige Schlussfolgerungen ziehen, auch wenn diese teils hypothetischer Natur sind und mehr Fragen offen bleiben als Antworten gegeben werden können.

Zunächst könnte man die Wirksamkeit der Samenaschen generell anzweifeln. Dem steht gegenüber, dass R. Steiner an keiner Stelle seiner Vorträge im "Landwirtschaftlichen Kurs" so deutlich ausspricht, dass er sich ganz sicher ist, dass diese Methode funktioniere. Zieht man zum Vergleich die anderen von ihm entwickelten biologisch-dynamischen Präparate, aber auch humanmedizinische Heilmittel heran, liegen genügend abgesicherte Untersuchungsergebnisse vor, die deren Wirksamkeit belegen. Diesbezüglich ist interessant, dass von Steiner selbst bezüglich der Aschenwirkung der Einwand gemacht wird, dass "...ein Experiment das Gegenteil erweist. Man muss dann schon, wenn man ganz exakt vorgeht, die Gegeninstanz ganz genau ins Auge fassen." Was die Gegeninstanz ist, wird dann allerdings nicht gesagt.

Diesbezüglich stellt sich erstens die grundsätzliche Frage, ob eine Wirkung der Samenaschen mit dem in Aussicht gestellten "Bekämpfungserfolg" eintreten kann, wenn Wildpflanzen oder wie der im Gefäßversuch verwendete Gelbsenf mit viel Mühe und Sachverstand gezielt "kultiviert" werden? Der Widerspruch zwischen dem Einsatz einer unkrautregulierenden Samenasche und den wachstumsfördernden Maßnahmen des Versuchsanstellers ist offensichtlich. Zudem zeigt gerade die in vielen Betrieben konstatierte Unkrautvermehrung, dass bestimmte Wildpflanzenarten unter bestimmten Bedingungen optimale Wachstumsverhältnisse finden.

Zweitens: Unter Zugrundelegung des Organismusgedankens, der das landwirtschaftliche Ökosystem charakterisiert, ist eine Einzelmaßnahme nicht gesondert von dem Zusammenhang zu betrachten, in welchem sie steht. Bezüglich der Versuchsmethode bedeutet dies, die Frage nach der geeigneten Versuchsanlage für den Nachweis von Wirkungen der Samenaschen zu stellen. Da R. Steiner ausführt, dass die Aschen weit ausstrahlen, verlieren womöglich in einer randomisierten Versuchsanlage die als Kontrolle eingerichteten unbehandelten Parzellen ihre Funktion, weil derzeit nicht messbar ist , wie weit eine Aschenwirkung in die Umgebung reicht. Womöglich bietet daher nur der im ökologischen System sich befindende Feldversuch in Großparzellen bzw. ein Systemvergleich die Möglichkeit für die Prüfung der Veraschungsmethode.

...

Für den Umgang mit den Aschepräparaten in der biologisch-dynamischen Praxis muss auf der Grundlage des jetzigen Erkenntnisstandes eine verbindliche Empfehlung offen bleiben. Man kann jedoch in der Anwendung der Samenaschen eine begleitende ganzheitliche Maßnahme zur Erhaltung der Gesundheit biologisch-dynamischer Betriebe sehen, die eine Ergänzung zu den regelmäßig angewendeten biologisch-dynamischen Spritz- und Kompostpräparaten darstellt. Allerdings muss man sich darüber bewusst sein, legt man die hiesigen Versuchserfahrungen zugrunde, dass erst nach mehr als vier Jahren mit einer Wirkung zu rechnen ist . Auf dem Dottenfelderhof werden jedoch die Versuche mit dem Verfahren: Samenverbrennung zwei Tage vor Vollmond, Aschepräparierung in Kompost, Ausbringung vor Neumond fortgeführt.

...


Quelle:
Spieß, H. (1999): Zur praktischen Anwendung kosmischer Rhythmen im biologisch-dynamischen Pflanzenbau. Untersuchungen zur Unkrautregulierung mit der Veraschungsmethode nach Rudolf Steiner. Beiträge zu einem Seminar über Chronobiologie, Dottenfelderhof (Bad Vilbel), November 1999; Hrsg.: Demeter Hessen e.V., Modautal

 

© 2019 Biodynamic-Research-Team |Impressum | Sitemap | Druckvorschau | Login